Geopolitische Spannungen erhöhen Risiken für die Schifffahrtsindustrie 

Pressemitteilung | 27. Mai 2025
  • Allianz Safety and Shipping Review 2025: Handelskonflikt zwischen den USA und China sowie die wachsende Schattenflotte stellen die Schifffahrtsbranche vor erhebliche Herausforderungen.
  • Trotz geopolitischem Gegenwind: 2024 gab es weltweit nur 27 Totalverluste von großen Schiffen, was einem Rückgang von mehr als 20 Prozent gegenüber 2023 entspricht.
  • Es gibt Fortschritte bei traditionellen Risiken wie Bränden oder Kollisionen, aber weiterhin besteht großes Schadenpotenzial. 

Die geopolitische Lage bringt neue Risiken und Herausforderungen für die Schifffahrtsbranche mit sich, die bereits mit der Energiewende und weiterhin mit den Folgen der Covid-19-Pandemie zu kämpfen hat. Dies geht aus dem Allianz Commercial Safety and Shipping Review hervor. Die Branche sieht sich mit einem zunehmend volatilen und komplexen Umfeld konfrontiert, das durch Angriffe auf Schiffe, Sanktionen sowie Sabotagevorwürfe für Schäden an wichtigen Unterseekabeln geprägt ist. Darüber hinaus drohen die Auswirkungen des zunehmenden Protektionismus und der steigenden Zölle, etablierte Lieferketten zu stören und Handelsbeziehungen zu erschüttern.

Angesichts der Tatsache, dass 90 Prozent des internationalen Handels über die Meere abgewickelt werden, sind diese Entwicklungen besorgniserregend. Zudem besteht weiterhin das Potenzial für hohe Schäden aufgrund traditioneller Risiken wie Bränden oder Kollisionen, die nach wie vor die Hauptursachen für Totalverluste großer Schiffe (über 100 GT) sind. Es gibt jedoch auch gute Nachrichten: Die Schifffahrtsbranche hat in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte im Bereich der Sicherheit erzielt. In den 1990er Jahren verlor die weltweite Flotte jährlich mehr als 200 Schiffe. Diese Zahl hat sich in den letzten zehn Jahren halbiert und ist nun auf einen Rekordtiefstand von 27 Schiffen zum Ende des Jahres 2024 gesunken (von 35 im Jahr 2023).

„Die Bedeutung politischer Risiken und Konflikte als potenzielle Ursache für Verluste im Seeverkehr nimmt angesichts der verschärften geopolitischen Spannungen zu. Die Gesamtverluste aufgrund traditioneller Ursachen sind zwar im Laufe der Zeit zurückgegangen, aber wir befinden uns in einer Situation, in der dieser positive Trend durch Kriege und andere politische Risiken zunichte gemacht wird“, sagt Kapitän Rahul Khanna, Global Head of Marine Risk Consulting bei Allianz Commercial.

China war das Hauptziel der protektionistischen Maßnahmen der US-Regierung – mit Zöllen von bis zu 145 Prozent – bevor beide Länder sich darauf einigten, diese für 90 Tage abzusenken. Diese Entwicklungen haben den globalen Seehandel erheblich beeinflusst: Etwa 18 Prozent des Handels unterlagen Mitte April 2025 Zöllen, verglichen mit vier Prozent Anfang März. Hinzu kamen dramatische Rückgänge bei den Lieferungen, die unmittelbar nach den „Liberation Day“-Ankündigungen gemeldet wurden. 

Während die Zukunft der US-Handelspolitik ungewiss bleibt, stellt ein anderes Phänomen eine weiterhin bestehende und wachsende Herausforderung für die Schifffahrts- und Versicherungsbranche dar: Schattenflotten. Seit Beginn des Krieges in der Ukraine hat die Größe der Schattenflotte erheblich zugenommen. Schätzungen zufolge gehören etwa 17 Prozent der weltweiten Tanker zur Schattenflotte, darunter gibt es allein fast 600 Tanker, die russisches Öl handeln. Schiffe der Schattenflotte waren bisher weltweit an Dutzenden von Zwischenfällen beteiligt, darunter Bränden, Kollisionen und Ölverschmutzungen.

„Obwohl die jüngsten Sanktionen den Handel für diese Schiffe erschweren, stellt die Schattenflotte weiterhin ein ernstes Risiko für die maritime Sicherheit und die Umwelt dar. Die Gründe sind das Alter vieler Schiffe, ihr schlechter Wartungszustand und unzureichende Versicherungen. Sollte ein Tanker der Schattenflotte an einer Ölpest beteiligt sein, könnten die Reinigungskosten bis zu 1,6 Milliarden US-Dollar betragen. Kosten, die höchstwahrscheinlich von den Steuerzahlern getragen werden müssen, falls das betroffene Land nicht Mitglied im Internationalen Entschädigungsfonds für Ölverschmutzung ist“, sagt Justus Heinrich, Global Product Leader Marine Hull bei Allianz Commercial.

Brände auf großen Schiffen sind nach wie vor ein großes Anliegen für Hull- und Cargo-Versicherer: Es gab 2024 sieben Totalverluste über alle Schiffstypen hinweg, genauso viele wie im Vorjahr. Die Gesamtzahl der Vorfälle stieg im Jahresvergleich auf 250, ebenfalls über alle Schiffstypen hinweg – ein Allzeithoch der vergangenen zehn Jahre. Etwa 30 Prozent dieser Brände ereigneten sich auf Container-, Fracht- oder RoRo-Schiffen (Roll-On/Roll-Off) (69). In den vergangenen zehn Jahren verursachten Brände insgesamt mehr als 100 Totalverluste von Schiffen. Bemühungen zur Risikominderung sind im Gange, mit regulatorischen Änderungen und technologischen Fortschritten, die darauf abzielen, falsch deklarierte Ladung besser zu erkennen, einen Hauptverursacher solcher Brände. Mit Blick auf die Elektrifizierung der globalen Wirtschaft und der zunehmenden Zahl von Lithium-Ionen-Batterien sowie Energiespeichern ist dies besonders wichtig.

„Es besteht kaum Zweifel daran, dass die Schifffahrtsindustrie widerstandsfähiger gegenüber Risiken geworden ist. Zugleich können wir keinesfalls sagen, dass sie unter Kontrolle sind, auch wenn die ‚nur‘ 27 Totalverluste im Jahr 2024 den positiven Trend unterstreichen. Um diese Zahl ins Verhältnis zu setzen: Es gibt über 100.000 Schiffe (über 100 GT) in der globalen Flotte. Dennoch bestehen weiterhin Unsicherheiten und zahlreiche Risiken. Die Bedrohung im Roten Meer und Unterbrechungen der Lieferkette werden wahrscheinlich bestehen bleiben. Gleichzeitig erfordert der Übergang zur Klimaneutralität viel Arbeit. Die kommenden Jahre werden insofern entscheidend sein, denn sie bestimmen sowohl die Richtung der Schifffahrt als auch des globalen Handels“, erklärt Kapitän Rahul Khanna, Global Head of Marine Risk Consulting bei Allianz Commercial.

Allianz Commercial ist das Kompetenzzentrum und die globale Sparte der Allianz Gruppe für die Versicherung von mittelständischen Unternehmen, Großunternehmen und Spezialrisiken. Zu unseren Kunden zählen die weltweit größten Verbrauchermarken, Finanzinstitute und Industrieunternehmen, die globale Luft- und Schifffahrtsindustrie sowie Familienbetriebe und mittelständische Unternehmen, die das Rückgrat der Wirtschaft bilden. Wir decken auch einzigartige Risiken wie Offshore-Windparks, Infrastrukturprojekte oder Filmproduktionen ab.

Angetrieben durch die Mitarbeiter, die Finanzkraft und das Netzwerk der von Interbrand als weltweit führende Versicherungsmarke eingestuften Allianz, arbeiten wir gemeinsam daran, unsere Kunden auf die Zukunft vorzubereiten: Sie vertrauen darauf, dass wir eine breite Palette an traditionellen und alternativen Risikotransferlösungen, hervorragende Risikoberatung und multinationale Dienstleistungen sowie eine reibungslose Schadenabwicklung bieten.

Unter dem Markennamen Allianz Commercial sind das Großkundenversicherungsgeschäft der Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS) und das Gewerbeversicherungsgeschäft der nationalen Allianz Property & Casualty-Einheiten für mittelständische Unternehmen zusammengefasst. Wir sind in über 200 Ländern und Territorien entweder mit eigenen Teams oder über das Netzwerk der Allianz Gruppe und Partner vertreten. Im Jahr 2025 erwirtschaftet das integrierte Geschäft der Allianz Commercial weltweit rund 17,3 Milliarden Euro an Bruttoprämien.

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