Krieg für mehr als 50 Prozent der Unternehmen weltweit Top-Risiko

Pressemitteilung |  19. Mai 2026

  • Der Krieg im Nahen Osten verändert die globale Risikolandschaft für Unternehmen und Versicherer. 
  • Laut Allianz Research stellen Sabotage und zivile Unruhen mit Hunderten von Vorfällen in den letzten fünf Jahren ebenfalls geschäftliche Herausforderungen dar. 
  • Der Konflikt im Nahen Osten erhöht die Nachfrage nach PVT-Versicherungen und erfordert Anpassungen des Risikomanagements in der gesamten Lieferkette. 

Politische Risiken und Gewalt sind im jährlichen Allianz Risk Barometer 2026, global auf Platz sieben geklettert. Dies ist die bisher höchste Platzierung im Ranking und verdeutlicht, dass diese Gefahren in einer Welt voller Unruhen mittlerweile zu den gängigen Geschäftsrisiken zählen. Die neue Allianz Commercial Studie „Political violence and civil unrest trends 2026“ zeigt, dass Krieg für mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen, das am meisten gefürchtete Risiko im Bereich politischer Gewalt ist. Konflikte in Europa und im Nahen Osten stören den globalen Handelsfluss, belasten politische Allianzen und erhöhen die Risiken für Unternehmen weltweit. Rund 60 Prozent der Befragten aus Europa und dem asiatisch-pazifischen Raum sehen Krieg als das größte Risiko an. Zivile Unruhen rangieren weltweit auf Platz zwei (49 Prozent), Terrorismus/Sabotage auf Platz drei (46 Prozent).  

Deutsche Unternehmen bewerten die Lage noch kritischer. Knapp zwei Drittel (63 Prozent) der Befragten stufen Krieg als Hauptrisiko ein. Terrorismus oder Sabotage landen mit 54 Prozent auf Rang zwei, gefolgt von der Sorge vor umfassenden Desinformationskampagnen (46 Prozent).  

Der Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran dominiert die Schlagzeilen und hat die Weltwirtschaft bereits erheblich beeinträchtigt. Unternehmen, die von bewaffneten Konflikten betroffen sind, stehen vor erheblichen Herausforderungen. Störungen der Lieferketten, der Verlust des Marktzugangs sowie das Risiko von Cyberangriffen und Sabotage, sind nur einige Beispiele. Schätzungen zufolge ist das Konfliktrisiko für Unternehmensvermögen bereits vor dem Iran-Krieg in den letzten fünf Jahren um mehr als 20 Prozent gestiegen. Für die Versicherungsbranche und insbesondere den Bereich Politische Gewalt und Terrorismus (PVT) könnte der Krieg im Nahen Osten in einigen Bereichen zu erheblichen Verlusten und zu neuen Risikobewertungen für spezielle Branchen und Regionen führen. Es zeichnet sich ab, dass das Ausmaß der finanziellen Verluste zu einem kostspieligeren Ereignis führen könnte als die PVT-Schadenfälle infolge des Krieges in der Ukraine. 

„Kriege, die Gefahr künftiger Konflikte und andere politische Gewalt dürften die geopolitische und wirtschaftliche Stabilität 2026 und darüber hinaus untergraben. Viele Unternehmen haben weiterhin Probleme derartige Risiken in ihren physischen und digitalen Lieferketten zu identifizieren. Dabei ist gerade diese Fähigkeit von entscheidender Bedeutung. Risikomanager müssen bei der Entwicklung und Umsetzung ihrer Resilienzstrategien vorausschauend handeln und diese ständig weiterentwickeln. Nur so können sie mit neuen Bedrohungen, jetzt und in Zukunft, Schritt halten“, sagt Thomas Lillelund, CEO von Allianz Commercial

Allianz Research hat in den vergangenen fünf Jahren rund 250 gemeldete Ereignisse im Zusammenhang mit Streiks, Aufständen und zivilen Unruhen (Strikes, Riots and Civil Commotion – SRCC) analysiert, bei denen jeweils mehr als 1.000 Personen aktiv beteiligt waren und die länger als einen Tag andauerten. Pakistan verzeichnete mit elf SRCC-Ereignissen die meisten, gefolgt von Indonesien. Weitere Länder mit einer hohen Anzahl solcher Vorkommnisse sind die USA, Griechenland, Tunesien, Ungarn, Iran und Indien. In Deutschland sind die Anti-Regierungs-Proteste im Januar 2025 mit über 150.000 Teilnehmern ein Beispiel. 

Wirtschaftlicher Druck – insbesondere steigende Lebenshaltungskosten – befeuert weltweit Proteste und Streiks. Bürgerinnen und Bürger fordern dabei eine bessere Regierungsführung sowie wirtschaftliche Reformen. Die meisten öffentlichen Proteste verlaufen friedlich, dennoch kam es infolge schwerer Unruhen im Jahr 2025 zu erheblichen versicherten Schäden. Die Unruhen in Indonesien im August 2025 verursachten versicherte Schäden von über 50 Mio. US-Dollar, während die Proteste in Nepal im September voraussichtlich zu versicherten Schäden führen könnten, die über denen der Erdbebenkatastrophe von 2015 liegen. Diese betrugen damals mehr als 200 Mio. US-Dollar. Abhängig von der Dauer des Konflikts im Nahen Osten ist zudem mit einem erhöhten Risiko für SRCC-Aktivitäten zu rechnen – insbesondere in Ländern, die stark von Öl, Gas oder Düngemitteln aus der Region abhängig sind. 

Gleichzeitig haben Sabotageakte, einschließlich staatlich unterstützter Aktivitäten, in den vergangenen 18 Monaten deutlich zugenommen. Auf globaler Ebene ist in den vergangenen vier Jahren ein Anstieg gezielter und böswilliger Angriffe auf kritische Infrastrukturen zu beobachten, etwa auf Unterseekabel durch sogenannte Advanced Persistent Threats (APT). Diese werden in der Regel von Organisationen oder „Rogue States“ unterstützt, darunter auch Russland, das in dieser Grauzone sehr aktiv ist. Solche Angriffe verursachen nicht zwangsläufig großflächige Schäden, können jedoch das Alltagsleben und Geschäftstätigkeiten erheblich stören und binden Ressourcen für den Schutz und die Überwachung kritischer Infrastrukturen. 

Geopolitische Umbrüche, wirtschaftlicher Druck und soziale Medien verstärken gemeinsam das Risiko politischer Gewalt. Die möglichen Folgen können zu erheblichen wirtschaftlichen und versicherten Schäden führen und stellen Unternehmen wie auch ihre Versicherer vor große Herausforderungen. Die Protest- und Gewaltmuster der vergangenen Jahre zeigen deutlich, dass bestimmte Branchen und Nutzungsarten besonders anfällig für das gesamte Spektrum politischer Gewalt sind – grundsätzlich kann jedes Unternehmen betroffen sein. 

Eines der gravierendsten Risiken im Zusammenhang mit politischer Gewalt ist die Betriebsunterbrechung (BU; Business Interruption, BI), die zu erheblichen wirtschaftlichen und versicherten Verlusten führen kann. Über 70 Prozent der Unternehmen sehen BU oder Störungen der Lieferkette als kritischste Auswirkung auf ihr Geschäftsmodell. Anpassungsfähigkeit und der Aufbau von Resilienz sind daher für Unternehmen jeder Größe von entscheidender Bedeutung. 

Der Konflikt zwischen den USA und Iran dürfte künftig erhebliche Auswirkungen auf Risikominderungsstrategien haben. Laut dem Allianz Risk Barometer prüften bereits vor dem Krieg etwas mehr als ein Drittel (35 Prozent) der Unternehmen Nearshoring-Ansätze und bewerteten inländische Produktionsoptionen. 32 Prozent wollten ihr Bestandsmanagement verbessern, etwa durch Lagerung in Freihandelszonen, und fast die Hälfte (49 Prozent) beschäftigte sich mit der Neuverhandlung und Diversifizierung ihrer Lieferketten, um auf geopolitische Veränderungen zu reagieren. Diese Entwicklungen dürften durch den Konflikt weiter beschleunigt werden. 

„In einer Phase erhöhter Unsicherheit war es noch nie so wichtig, die Auswirkungen dieser Risiken zu verstehen und sie in unseren vernetzten Geschäftsökosystemen zu begrenzen. Versicherungen spielen dabei eine zentrale Rolle und wir sehen ein deutlich gesteigertes Interesse und mehr Käufer als je zuvor in diesem Marktsegment. Das stellt einen deutlichen Wandel gegenüber dem Markt- und Käuferverhalten vor dem Krieg in der Ukraine dar, der durch die nachfolgenden Ereignisse zusätzlich verstärkt wurde“, sagt Srdjan Todorovic, Global Head of Political Violence and Hostile Environment Solutions bei Allianz Commercial

Photo: Adobe Stock

Allianz Commercial ist das Kompetenzzentrum und die globale Sparte der Allianz Gruppe für die Versicherung von mittelständischen Unternehmen, Großunternehmen und Spezialrisiken. Zu unseren Kunden zählen die weltweit größten Verbrauchermarken, Finanzinstitute und Industrieunternehmen, die globale Luft- und Schifffahrtsindustrie sowie Familienbetriebe und mittelständische Unternehmen, die das Rückgrat der Wirtschaft bilden. Wir decken auch einzigartige Risiken wie Offshore-Windparks, Infrastrukturprojekte oder Filmproduktionen ab.

Angetrieben durch die Mitarbeiter, die Finanzkraft und das Netzwerk der von Interbrand als weltweit führende Versicherungsmarke eingestuften Allianz, arbeiten wir gemeinsam daran, unsere Kunden auf die Zukunft vorzubereiten: Sie vertrauen darauf, dass wir eine breite Palette an traditionellen und alternativen Risikotransferlösungen, hervorragende Risikoberatung und multinationale Dienstleistungen sowie eine reibungslose Schadenabwicklung bieten.

Unter dem Markennamen Allianz Commercial sind das Großkundenversicherungsgeschäft der Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS) und das Gewerbeversicherungsgeschäft der nationalen Allianz Property & Casualty-Einheiten für mittelständische Unternehmen zusammengefasst. Wir sind in über 200 Ländern und Territorien entweder mit eigenen Teams oder über das Netzwerk der Allianz Gruppe und Partner vertreten. Im Jahr 2025 erwirtschaftet das integrierte Geschäft der Allianz Commercial weltweit rund 17,3 Milliarden Euro an Bruttoprämien.

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