Pressemitteilung | 4. März 2026
Geopolitische Instabilität und vernetzte Risiken schüren die Angst vor Black Swan-Szenarien
- Rund 50 Prozent der Unternehmen sehen einen Ausfall globaler Lieferketten sowie einen weltweiten Internet-Blackout als die zwei wahrscheinlichsten Black-Swan-Szenarien in den nächsten fünf Jahren.
- Der weltweite Fokus auf geopolitische Risiken überstrahlt Klima‑, Gesundheits‑ und zukünftige Technologierisiken.
- Fast drei Viertel der deutschen Unternehmen fürchten vor allem den Ausfall sicherer Lieferketten und stufen dieses Black Swan-Szenario deutlich höher ein als der globale Durchschnitt.
Obwohl sie im Nachhinein oft vorhersehbar erscheinen, sind Black Swans unerwartete oder unvorhergesehene Ereignisse mit disruptiven und wirtschaftlich schädlichen Auswirkungen. Beispiele hierfür sind die Terroranschläge vom 11. September 2001 in den USA, die globale Finanzkrise 2008 sowie die Covid‑19‑Pandemie. Allianz Research schätzt die kumulierten Verluste des globalen Bruttoinlandsprodukts (BIP) infolge der Pandemie zwischen 2020 und 2023 auf rund zwölf Billionen US‑Dollar.
Neben den enormen finanziellen und wirtschaftlichen Kosten haben solche Ereignisse in der Regel langfristige Auswirkungen und führen zu geopolitischen und gesellschaftlichen Verwerfungen, die noch viele Jahre nach dem eigentlichen Ereignis fortwirken. Laut einer neuen Analyse des Allianz Risk Barometers geben mehr als die Hälfte der über 3.000 Befragten (51 Prozent) an, dass eine globale Störung der Lieferketten infolge eines geopolitischen Konflikts das weltweit plausibelste Black Swan‑Szenario in den kommenden fünf Jahren darstellt. Die Angst vor einem weltweiten Internetausfall liegt mit 47 Prozent auf Platz zwei und spiegelt das wachsende Bewusstsein von Führungskräften für Cybersicherheit und KI-Risiken wider.
71 Prozent der befragten deutschen Unternehmen schätzen das Risiko einer globalen Lieferkettenstörung als besonders relevant ein. Das ist deutlich höherer Wert als in allen anderen Ländern. Als stark exportorientierte Volkswirtschaft mit hoher Abhängigkeit von internationalen Vorleistungs- und Technologielieferketten ist Deutschland besonders anfällig für geopolitisch bedingte Handelsstörungen, Transportengpässe und protektionistische Maßnahmen. Zugleich gewinnt die Sorge vor großflächigen Cyberereignissen, einschließlich eines möglichen Internetausfalls, an Bedeutung und liegt mit 47 Prozent auf Rang zwei. Die zunehmende Digitalisierung industrieller Prozesse, vernetzter Produktionssysteme sowie datengetriebener Geschäftsmodelle erhöht die Verwundbarkeit gegenüber systemischen IT‑ und Cyberstörungen.
Thomas Lillelund, CEO von Allianz Commercial, kommentiert: „Auch wenn Black Swan‑Ereignisse nicht unmittelbar wahrscheinlich sind, sollten diese seltenen, aber folgenschweren Szenarien angesichts ihrer potenziellen Auswirkungen auf dem Radar von Vorständen sein. Die zunehmende Vernetzung physischer und digitaler Lieferketten führt dazu, dass Störungen heute sehr viel schneller eskalieren und sich zu erheblichen Verlusten entwickeln können. In der derzeit fragmentierten geopolitischen Lage müssen Unternehmen ihre Widerstandsfähigkeit sowie ein integriertes Risikomanagement weiter stärken, um sicher durch den nächsten Sturm zu navigieren.“
Geopolitik als zentraler Treiber von Black Swans
Angesichts des aktuellen geopolitischen Umfelds überrascht es nicht, dass eine durch geopolitische Konflikte ausgelöste Störung globaler Lieferketten als das plausibelste Black Swan‑Szenario gilt. Zölle, Handelskriege und Protektionismus sowie Lieferketten‑ und Transportprobleme infolge regionaler Konflikte im Nahen Osten sowie in der Ukraine stehen ganz oben auf der Agenda vieler Vorstände. Allianz Research schätzt, dass sich die kumulierten BIP‑Verluste über einen Zeitraum von zwei Jahren infolge einer globalen Lieferkettenstörung in der Folge des Kriegs in der Ukraine auf bereits bis zu 1,5 Billionen US‑Dollar belaufen könnten. Politisch bedingte Risiken stechen laut den Befragten generell als wesentliche potenzielle Auslöser von Black Swan‑Ereignissen hervor. Der plötzliche Zusammenbruch eines großen Finanzinstituts, wie 2008 mit Lehman Brothers erlebt, oder eine Staatsschuldenkrise mit globaler Liquiditätskrise und starker Marktvolatilität rangiert mit 30 Prozent auf Platz drei. Massenproteste, soziale Unruhen und politische Instabilität werden weltweit als viertwahrscheinlichstes Szenario genannt (29 Prozent) und zählen zu den Top‑3‑Risiken in Nord- und Südamerika (31 Prozent) sowie in Afrika und dem Nahen Osten (41 Prozent) – ebenso wie in Frankreich (42 Prozent).
Die zunehmende Vernetzung und gegenseitige Abhängigkeit physischer und digitaler Lieferketten erhöht die Verwundbarkeit in einer Zeit geopolitischer Unsicherheit, rasanten technologischen Fortschritts und des Klimawandels. Unternehmen und globale Lieferketten sind anfälliger für Black Swan‑Ereignisse, da sich wirtschaftliche Aktivitäten zunehmend auf eine begrenzte Anzahl kritischer Lieferanten und Produkte konzentrieren – etwa in den Bereichen KI und digitale Dienstleistungen, Halbleiter, der Verarbeitung seltener Erden sowie Transformationstechnologien.
Unternehmensgröße beeinflusst die Risikowahrnehmung
Eine globale Lieferkettenlähmung infolge eines geopolitischen Konflikts steht sowohl bei großen Unternehmen (Jahresumsatz >500 Mio. US‑Dollar; 55 Prozent) als auch bei mittelgroßen Unternehmen (100–500 Mio. US‑Dollar; 52 Prozent) an erster Stelle. Kleinere Unternehmen (<100 Mio. US‑Dollar) hingegen sorgen sich am stärksten über die Auswirkungen eines weltweiten Internetausfalls (45 Prozent), der für große und mittelgroße Unternehmen das zweitwichtigste Szenario darstellt. Das drittwahrscheinlichste Black Swan‑Szenario für mittelgroße und kleine Unternehmen ist der plötzliche Zusammenbruch eines großen Finanzinstituts, während größere Unternehmen sich stärker vor gleichzeitigen Klimakatastrophen und Ausfällen von Energienetzen fürchten. Multinationale Unternehmen verfügen über größere Budgets und stärker diversifizierte Portfolios. Daher sehen sie sich als besser gerüstet, die Risiken eines Ereignisses wie eines großen Internetausfalls abzufedern als kleine und mittlere Unternehmen.
„Das Bewusstsein für Black Swan‑Ereignisse und die Notwendigkeit, Resilienz aufzubauen, ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Dennoch können sich Unternehmen niemals vollständig auf seltene, aber folgenschwere Ereignisse wie einen globalen Ausfall oder eine unerwartete klimabedingte Katastrophe vorbereiten. Der Aufbau organisatorischer Agilität, die Förderung einer risikobewussten Unternehmenskultur sowie skalierbare Reaktionspläne für unterschiedliche Szenarien bleiben die praktikabelsten Maßnahmen zur Vorbereitung auf Black Swan‑Ereignisse. Versicherer können eine entscheidende Rolle dabei spielen, Unternehmen bei der Stärkung ihrer Widerstandsfähigkeit – etwa im Bereich Cyberrisiken – zu unterstützen und fundiertere Entscheidungen bei der Bewertung und Auswahl kritischer Lieferanten zu ermöglichen“, sagt Michael Bruch, Global Head of Risk Consulting Advisory Services, Allianz Commercial.
Photo: Adobe Stock
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