KI und Cloud Computing treiben globalen Bauboom für Rechenzentren an

Pressemitteilung | 06.11.2025

  • Weltweite Ausgaben für Rechenzentren erreichen bis 2030 voraussichtlich mehrere Billionen US-Dollar. Dabei treiben hauptsächlich die USA und China das Wachstum an.
  • Die stark steigende Nachfrage hat einen Bauboom ausgelöst. Laut Allianz Commercial-Experten kosten einige Projekte bereits über 20 Milliarden US-Dollar.
  • Die rasante Entwicklung erhöht die Risiken und bringt neue Gefahren für Unternehmen und Versicherer mit sich.

KI und Cloud Computing sind in den Nachrichten allgegenwärtig. Doch auch hinter den Schlagzeilen verbirgt sich eine Wachstums- und Innovationsgeschichte. Denn KI-Anwendungen und die weltweit steigende Nachfrage nach KI-Technologien erfordern eine enorme Rechenleistung und haben einen regelrechten Bauboom ausgelöst. Unternehmen wetteifern darum, die benötigten Kapazitäten bereitzustellen. Laut Marktforschung werden bis 2030 bis zu sieben Billionen US-Dollar in Rechenzentren investiert. Diese gewaltige Summe tragen vor allem Technologieunternehmen in den USA und China, während Europa hinterherhinkt. Die drei Branchenriesen Amazon, Microsoft und Google Cloud erzielten im zweiten Quartal 2025 fast zwei Drittel des weltweiten Cloud-Umsatzes. Zusammen mit chinesischen Unternehmen wie Alibaba und Tencent erreichen ihre Investitionsbudgets im Jahr 2025 hunderte Milliarden US-Dollar. Ein Großteil davon fließt in die industrielle Infrastruktur und zuverlässige Energiequellen.

Der aktuelle Allianz Commercial-Bericht „The Data Center Construction Boom“ untersucht Umfang und mögliche Risiken des weltweiten Baubooms. Trotz der anhaltenden Entwicklung könnten mehrere Faktoren das zukünftige Wachstum begrenzen, darunter die rasant steigenden Baukosten. Diese sind von 200-300 Millionen US-Dollar pro Projekt auf teilweise über 20 Milliarden US-Dollar angestiegen. Laut den Experten von Allianz Commercial kosten durchschnittlich große Rechenzentren mittlerweile bereits zwischen 500 Millionen und zwei Milliarden US-Dollar. Neben den höheren Baukosten erfordert die Komplexität des Baus und Betriebs von Rechenzentren einen speziellen Versicherungsschutz für Risiken wie Stromversorgungsprobleme, Baumängel, Brände oder Naturkatastrophen.

„Bauprojekte, die so komplex und umfangreich sind wie Rechenzentren, erfordern einen erheblichen Zeit- und Ressourcenaufwand. Aufgrund ihrer Größe und ihres einzigartigen Risikoprofils sind in der Regel projektspezifische Versicherungspolicen notwendig“, sagt Matthias Neeff, Head of Construction Europe bei Allianz Commercial.

Weltweit wird massiv in den Ausbau der Infrastruktur für die digitale Wirtschaft investiert. Die  USA werden bis 2028 mit 81 Gigawatt (GW) für etwa zwei Drittel des weltweiten Strombedarfs von Rechenzentren verantwortlich sein und gleichzeitig zum größten Markt werden. Auch Chinas Bedarf wächst rasant. Allein im Großraum Peking befinden sich mittlerweile rund zehn Prozent der globalen Hyperscale-Kapazität. Europa liegt zwar deutlich zurück, verzeichnet aber ein jährliches Wachstum von 43 Prozent bei geplanten Projekten. London und Dublin sind mit jeweils über einem GW an Strombedarf die größten Standorte, gefolgt von Amsterdam, Frankfurt, Paris und Mailand.

„Die großen Rechenzentren benötigen enorme Flächen. Anlagen mit einem Investitionsvolumen von mehreren Milliarden US-Dollar können in Spitzenzeiten tausende Arbeiter vor Ort beschäftigen. Zudem werden erhebliche Mengen an Ausrüstung und Baumaterialien benötigt“, erklärt Stefan Thumm, Regional Head of ARC Energy & Construction bei Allianz Commercial. „Der Zeitplan kann knapp bemessen sein und erfordert eine fachkundige Koordination. Fehler oder mangelhafte Ausführung führen zu potenziellen Verlusten oder kostspieligen Verzögerungen.“

Der Bau eines Rechenzentrums ist ein komplexes, interdisziplinäres Projekt, das zahlreiche Risiken birgt. Eine der größten Herausforderungen ist der rasant steigende Strombedarf, der Kapazität und Infrastruktur des Stromnetzes zu überfordern droht. Der Energiehunger von Rechenzentren weltweit wird sich bis 2030 voraussichtlich mehr als verdoppeln und auf rund 945 Terawattstunden (TWh) steigen. Das entspricht etwas mehr als dem heutigen Verbrauch ganz Japans mit seinen 124 Millionen Einwohnern. Um Stromausfälle zu vermeiden, die mit 45 Prozent die Hauptursache für gravierende Störungen sind, versuchen Rechenzentrumsbetreiber zunehmend, ihre Abhängigkeit vom Stromnetz zu reduzieren. Sie versuchen ihren Strom vor Ort selbst zu erzeugen – unter anderem durch erneuerbare Energien, Gaskraftwerke und möglicherweise sogar kleine Kernreaktoren.

Feuer, Überhitzung und enormer Wasserbedarf stellen ebenfalls erhebliche Risiken für Rechenzentren dar und können zu schweren Schäden oder Betriebsunterbrechungen führen. So werden Lithium-Ionen-Batterien zunehmend in Serverracks in Rechenzentren eingesetzt. Das damit verbundene Brandrisiko ist allerdings, insbesondere im Zusammenhang mit Elektrofahrzeugen und deren Ladeinfrastruktur, gut bekannt. Große Rechenzentren können zudem bis zu 19 Millionen Liter Wasser pro Tag verbrauchen. Dies entspricht dem Wasserverbrauch einer Stadt mit bis zu 50.000 Einwohnern. Zunehmend strengere Kühlanforderungen treiben den Wasser- und Strombedarf in die Höhe, während steigende globale Temperaturen die Ausfallsicherheit von über der Hälfte der weltweit führenden Rechenzentren gefährden. Dies hat das Risikoprofil von Rechenzentren verändert und zu höheren Bau- und Versicherungskosten beigetragen. Kunden benötigen nicht nur ein erfahrenes Team von Versicherern mit Branchenkenntnis, die das Projekt von Anfang bis Ende begleiten können, sondern auch individuelle, mehrjährige Versicherungslösungen.

„Derzeit gibt es keine Anzeichen dafür, dass das Wachstum von Rechenzentren nachlässt, doch könnte der Aufwärtstrend der Branche gebremst werden. Die zukünftige Nachfrage nach KI ist aufgrund rasanter technologischer Fortschritte und verschiedener Hindernisse für eine flächendeckende Einführung schwer abzuschätzen“, so Neeff.

Photo: Adobe Stock

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