Pressemitteilung | 03.12.2025
Geopolitische Volatilität und Cyber sind 2026 Hauptrisiken für Führungskräfte
- Geopolitische und makroökonomische Unsicherheiten, Zölle und Cyberrisiken stellen Manager von Unternehmen aller Größen vor Haftungsherausforderungen.
- Die weltweit steigende Zahl von Insolvenzen wird zu einem zentralen Thema für Führungskräfte.
- Die Schadenshöhe und die Kosten für Vergleiche steigen in einem dynamischen Marktumfeld, insbesondere in den USA.
Weltweit nehmen politische, wirtschaftliche und soziale Unsicherheiten zu. Sie beeinflussen jeden Aspekt der Geschäftstätigkeit eines Unternehmens und führen zu erheblichen Veränderungen im Finanz-, Regulierungs- und Rechtsumfeld. Werden diese Entwicklungen nicht antizipiert und angepasst, führt dies häufig zu operativen Problemen, finanziellen Verlusten und Reputationsschäden, was wiederum Konsequenzen für das Management nach sich ziehen kann.
Der aktuelle Allianz Commercial-Bericht „Directors and Officers (D&O) Insurance Insights“ wirft ein Schlaglicht auf die wachsenden Herausforderungen für Führungskräfte und Vorstände. So können sie etwa für Fehleinschätzungen der Auswirkungen geopolitischer Entwicklungen auf die Geschäftstätigkeit oder für die unzureichende Anpassung an die rechtlichen oder regulatorischen Anforderungen verschiedener Länder haftbar gemacht werden. Aktionärsklagen oder behördliche Sanktionen, gegen das Unternehmen oder einzelne Entscheidungsträger, erhöhen das Haftungsrisiko für Manager.
Gleichzeitig sind die Risiken im Cyberbereich und die Erwartungen an Vorstände im Kontext der Cybersicherheit in den letzten Jahren stark gestiegen. Die Haftung von Geschäftsführern und Vorstandsmitgliedern ergibt sich dabei aus ihrer Pflicht, die Cybersicherheit des Unternehmens zu überwachen und zu gewährleisten. Ansprüche gegen Geschäftsführer werden durch eine Vielzahl von Ereignissen ausgelöst, darunter Datenpannen, Ransomware-Angriffe und technische Störungen. Laut des jährlichen Allianz Commercial Cyber Security Resilience Outlook entfielen in den ersten sechs Monaten des Jahres 2025 rund 60 Prozent der großen Cyberversicherungsschäden (> 1 Mio. Euro) auf Ransomware. Führt ein Cybervorfall zu einem finanziellen Verlust, können Geschäftsführer mit Klagen von Aktionären, Kunden oder Lieferanten konfrontiert sein. Dies gilt vor allem dann, wenn dem Vorstand vorgeworfen wird, keine angemessenen Risikokontrollen oder Notfallpläne implementiert zu haben.
„Die Haftung von Geschäftsführern und Vorständen entwickelt sich weiterhin rasant, bedingt durch ein dynamisches regulatorisches und juristisches Umfeld, eine zunehmend komplexe Risikolandschaft und unsichere geopolitische und wirtschaftliche Aussichten“, erklärt Jarrod Schlesinger, Global Head of Financial Lines and Cyber bei Allianz Commercial. „Vor diesem Hintergrund hat die Zahl neuer Klagen gegen Geschäftsführer kontinuierlich zugenommen und erreicht oder übersteigt in den meisten Regionen der Welt mittlerweile das Vor-Pandemie-Niveau. Die Höhe der Schadensforderungen bleibt insbesondere in Nordamerika ein Problem.“
Insolvenzen als Hauptreiber für D&O-Risiken
Insolvenzverfahren und behördliche Maßnahmen zählen zu den häufigsten Ursachen für private D&O-Klagen. Solche Klagen können sich auch aus Vorwürfen der Verletzung von Treuepflichten ergeben, beispielsweise durch irreführende oder unzureichende Offenlegung oder Fahrlässigkeit. Allianz Research erwartet einen Anstieg der weltweiten Unternehmensinsolvenzen um sechs Prozent im Jahr 2025 und um fünf Prozent im kommenden Jahr. 2026 steigen die Insolvenzzahlen somit das fünfte Jahr in Folge. Sie erreichen einen Rekordwert, der 24 Prozent über dem Durchschnitt vor der Pandemie liegt. Insbesondere die Branchen Automotive, Bauwesen, Einzelhandel und Konsumgüter stehen im Fokus.
Das derzeit schwierige Geschäftsumfeld – geprägt durch Faktoren wie Zölle, schwache Nachfrage, steigende Kosten, technologischen Wandel, zunehmenden Wettbewerb und regulatorische Änderungen – erhöht das Risiko von D&O-Klagen. Ein Beispiel: Die USA verzeichnen in letzter Zeit einen deutlichen Anstieg von Groß-Insolvenzen von Unternehmen mit einem Wert von über einer Milliarde US-Dollar. In der ersten Hälfte des Jahres 2025 wurden 17 solcher Insolvenzen verzeichnet, die höchste Zahl seit Beginn der Covid-19-Pandemie. In den letzten zwölf Monaten waren es 32, was ebenfalls deutlich über dem historischen Durchschnitt liegt.
„Die Führung multinationaler Konzerne war noch nie so herausfordernd wie heute. Führungskräfte sehen sich weltweit mit widersprüchlichen Regierungsprioritäten und -richtlinien konfrontiert, während Handelskonflikte und fiskalische Herausforderungen die Wirtschaft belasten. Es ist entscheidend, dass Manager ihre erweiterten Treuepflichten im Insolvenzfall kennen, Expertenrat einholen und alle wichtigen Entscheidungen detailliert dokumentieren. Diese Informationen sind von großer Bedeutung, wenn Vorwürfe erhoben werden“, so Alexandra Braun, Regional Head of Financial Lines bei Allianz Commercial in Deutschland und der Schweiz.
Schadenhöhe im D&O-Versicherungsmarkt steigt
In den letzten drei Jahren hat die Anzahl neuer D&O-Klagen kontinuierlich zugenommen, vor allem in den USA. Für D&O-Versicherer ist der US-Markt aufgrund der hohen Anzahl an Sammelklagen und der stark gestiegenen durchschnittlichen Vergleichskosten, die in den ersten sechs Monaten des Jahres 2025 um 27 Prozent auf 56 Millionen US-Dollar angestiegen sind, äußerst komplex. Gleichzeitig stellen die sich ändernden Regierungsrichtlinien in den USA und Teilen Europas in Bezug auf Diversität, Gleichstellung und Inklusion (DEI), Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (ESG) sowie Künstliche Intelligenz (KI) die Aufsichtsräte vor neue Herausforderungen.
„Auch im Jahr 2026 ist das Umfeld für Unternehmensführung weiterhin von zunehmender wirtschaftlicher Unsicherheit, rasantem technologischen Wandel und sich ändernden regulatorischen Anforderungen geprägt. Insgesamt erwarten wir eine weitere Stabilisierung des D&O-Marktes, auch wenn es auf der Prämienseite gemischte Signale gibt. Im Hinblick auf Schadenaktivitäten beobachten wir in Deutschland und der Schweiz weiterhin einen Anstieg der Schadenfälle aufgrund von Cyberangriffen auf Führungskräfte. Zudem gehören Insolvenzen, wie in anderen Ländern, zu den häufigsten Ursachen für D&O-Schadenfälle“, sagt Alfred Mora, Chief Underwriter Financial Lines bei Allianz Commercial in Deutschland und der Schweiz.
Photo: Adobe Stock
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