Allianz Risk Barometer: Cyber-Attacken bleiben 2025 Top-Risiko – weltweit und in Deutschland

Pressemitteilung | 15. Januar 2025
  • Datenpannen, Angriffe auf Kritische Infrastruktur oder Vermögenswerte sowie Ransomware-Attacken sind für 38 Prozent der Befragten weltweit die größten Risiken
  • Betriebsunterbrechungen und Naturkatastrophen belegen mit 31 Prozent bzw. 29 Prozent erneut die Plätze 2 und 3, während der Klimawandel den größten Sprung von Rang 7 auf 5 macht
  • In Deutschland liegen Cyber-Attacken und Betriebsunterbrechungen weiterhin auf den Plätzen 1 und 2 – angesichts extremer Wetterereignisse in 2024 springen Naturkatastrophen auf Platz 3 der Top-Risiken, während der Fachkräftemangel in der Rezession auf Platz 8 abrutscht (2024: 4) 

Cybervorfälle wie Datenschutzverletzungen, Ransomware-Attacken und IT-Ausfälle, wie der Crowdstrike-Vorfall im Sommer, sind für Unternehmen weltweit in diesem Jahr erneut das größte Risiko. Betriebsunterbrechungen folgen, unabhängig der Unternehmensgröße auf dem zweiten Platz. Nach einem weiteren Jahr mit extremen Wetterereignissen weltweit landen Naturkatastrophen wieder auf Platz 3. Das Super-Wahljahr 2024, steigende geopolitische Spannungen und potentielle Handelskriege sorgen dafür, dass Änderungen von Gesetzen und Vorschriften auf Rang 4 bleiben. Den größten Sprung im diesjährigen Allianz Risk Barometer macht der Klimawandel von 7 auf 5 und erreicht damit seine höchste Platzierung seit Erstellung der Studie.

Unternehmen aller Größen bewerten Cybervorfälle als ihr größtes Geschäftsrisiko. Im restlichen Ranking gibt es jedoch erhebliche Unterschiede. Kleinere Unternehmen sind besorgt über lokale und unmittelbare Risiken wie die Einhaltung von Vorschriften, makroökonomische Entwicklungen und Fachkräftemangel. Es gibt jedoch auch Anzeichen dafür, dass einige der Risiken, die traditionell eher größere Unternehmen beschäftigen, nun auch kleinere Unternehmen betreffen. Hier sind der Klimawandel, politische Risiken und Gewalt zu nennen.

Unter den deutschen Teilnehmenden der Studie belegen Cyber-Attacken und Betriebsunterbrechungen ebenfalls die Plätze 1 (2024: 1) und 2 (2024: 2). Aufgrund zahlreicher Naturkatastrophen, wie der Flut in Süddeutschland und starken Stürmen, landen Naturkatastrophen unter deutschen Unternehmen auf Platz 3 (2024: 5) und gleichen sich hier der globalen Risikobewertung an. Im Gegensatz zum Vorjahr wird der Fachkräftemangel nicht mehr als viertgrößtes Risiko wahrgenommen und rutscht auf Platz 8 (2024: 4): Die schwache wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands sowie der Stellenabbau zahlreicher Unternehmen könnten hier eine Rolle spielen. 

Vanessa Maxwell, Chief Underwriting Officer von Allianz Commercial, kommentiert die Ergebnisse: „2024 war ein außergewöhnliches Jahr für das Risikomanagement. Die Ergebnisse unseres jährlichen Allianz Risk Barometer spiegeln die Unsicherheit wider, mit der viele Unternehmen weltweit konfrontiert sind. Die Vernetzung der Top-Risiken ist in diesem Jahr besonders auffällig, denn Klimawandel, neue Technologien, Regulierung und geopolitische Risiken sind zunehmend miteinander verflochten. Dies führt zu komplexen Zusammenhängen von Ursache und Wirkung. Unternehmen müssen Resilienz ganz oben auf ihre Agenda setzen, und sich konsequent um die Verbesserung ihres Risikomanagements und ihrer Widerstandsfähigkeit bemühen.“

Cyber-Vorfälle (38 Prozent) sind zum vierten Mal in Folge und mit einem deutlichen Vorsprung von sieben Prozentpunkten das Hauptrisiko für Unternehmen. In 20 Ländern ist Cyber das Top-Risiko, darunter Argentinien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Indien, Südafrika oder den USA. Mehr als 60 Prozent der Befragten nennen Datenpannen als die besorgniserregendste Bedrohung, noch vor Angriffen auf kritische Infrastruktur oder Vermögenswerte mit 57 Prozent.

„Viele Unternehmen benennen Cyber als größtes Risiko, das durch die rasante Entwicklung der künstlichen Intelligenz (KI) sogar noch verschärft wird. Angesichts der zunehmenden Technologieabhängigkeit wird es wahrscheinlich auch in Zukunft ein Hauptrisiko für Unternehmen bleiben. Der CrowdStrike-Vorfall im Sommer 2024 hat uns vor Augen geführt, wie abhängig wir alle von sicheren IT-Systemen sind“, sagt Rishi Baviskar, Global Head of Cyber Risk Consulting bei Allianz Commercial

Betriebsunterbrechungen (BU) landen seit zehn Jahren in jedem Allianz Risk Barometer entweder auf Platz 1 oder 2. Mit 31 Prozent der Antworten bleiben sie auch 2025 auf Platz 2 – sowohl weltweit als auch in Deutschland. BU sind in der Regel eine Folge von Ereignissen wie Naturkatastrophen oder Cyberattacken, die den Betriebsablauf eines Unternehmens stören oder unterbrechen. Mehrere Beispiele aus dem Jahr 2024 zeigen, warum Unternehmen sie immer noch als große Bedrohung für ihr Geschäftsmodell ansehen. So führten Huthi-Angriffe im Roten Meer zu Unterbrechungen der Lieferkette, da Containerschiffe umgeleitet werden mussten, während Vorfälle wie der Einsturz der Francis Scott Key Bridge in Baltimore ebenfalls direkte Auswirkungen auf globale und lokale Lieferketten hatten. Disruptionen der Lieferkette mit globalen Auswirkungen treten etwa alle 1,4 Jahre auf, wobei sich ein steigender Trend zeigt, wie aus einer Analyse von Circular Republic in Zusammenarbeit mit Allianz und anderen hervorgeht. Sie verursachen zusätzliche Ausfallzeiten und erhebliche wirtschaftliche Schäden, die zwischen fünf und zehn Prozent der Produktkosten ausmachen.

„Das Streben nach technologischem Fortschritt und Effizienz wirkt sich auf die Widerstandsfähigkeit von Lieferketten aus. Automatisierung und Digitalisierung haben Prozesse erheblich beschleunigt. Bei effektiver Umsetzung erhöhen diese Technologien die Widerstandsfähigkeit, indem sie bessere Datenanalysen, Vorhersagen und agilere Reaktionsmöglichkeiten bieten. Aus diesem Grund wird der Aufbau und die Investition in Resilienz für jedes Unternehmen wichtiger“, sagt Michael Bruch, Global Head of Risk Advisory Services bei Allianz Commercial.

2024 war das heißeste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Es war auch ein Jahr schrecklicher Naturkatastrophen mit extremen Hurricanes und Stürmen in Nordamerika, verheerenden Überschwemmungen in Europa und Asien sowie Dürre in Afrika und Südamerika. Nachdem der Klimawandel in den Jahren der Corona-Pandemie in der Rangliste nach unten gerutscht war, da sich die Unternehmen mit unmittelbareren Herausforderungen befassen mussten, rückt er 2025 um zwei Positionen nach oben in die Top 5 der globalen Risiken. Mit Platz 5 erreicht er seine bisher höchste Position. In Deutschland landet der Klimawandel hingegen nur noch auf Platz 7 (2024: 6), was auf eine andere Wahrnehmung der Problematik hindeutet.

Die mit dem Klimawandel eng verbundenen Naturkatastrophen bleiben mit 29 Prozent auf Platz 3 (weltweit und in Deutschland). Zum fünften Mal in Folge überstiegen die versicherten Schäden im Jahr 2024 100 Milliarden US-Dollar. Weltweit sind Naturkatastrophen das größte Risiko in Griechenland, Hongkong, Japan, Kroatien, Österreich, Rumänien, Slowenien, Spanien und der Türkei, wo es 2024 zu einigen der schwersten Ereignisse kam. In Mittel- und Osteuropa sowie in Spanien hatten Stürme und Überschwemmungen dramatische Auswirkungen auf Menschen und Unternehmen. Laut Gesamtverband der Versicherer (GDV) beliefen sich allein die versicherten Schäden durch das Hochwasser in Süddeutschland im Juni 2024 auf etwa zwei Milliarden Euro. Diese Auswirkungen unterstreichen die Bedeutung von Prävention und Schadenbegrenzung durch Zusammenarbeit von Regierungen, Versicherern und Kommunen.

Trotz anhaltender geopolitischer und wirtschaftlicher Unsicherheit im Nahen Osten, in der Ukraine und in Südostasien fallen politische Risiken und Gewalt auf Platz 9 (2024: 8; in Deutschland Platz 6 – 2024: 8). Für große Unternehmen bleiben sie jedoch ein erhöhtes Risiko (Platz 7), während kleinere Unternehmen sie neu auf Platz 10 im Ranking einstufen. Die Angst vor Handelskriegen und Protektionismus nimmt zu. Analysen der Allianz und anderer zeigen, dass die Exportbeschränkungen für kritische Rohstoffe in den letzten zehn Jahren um das Fünffache gestiegen sind. Zölle und Protektionismus mögen ganz oben auf der Liste der neuen US-Regierung stehen, aber andererseits besteht auch die Gefahr eines „regulatorischen Wilden Westens“, insbesondere im Zusammenhang mit KI und Kryptowährungen. In Europa werden die Anforderungen an die Nachhaltigkeitsberichterstattung im Jahr 2025 ganz oben auf der Tagesordnung stehen.

„Die Auswirkungen neuer Zölle werden ähnlich sein wie bei (Über-)Regulierung: steigende Kosten für alle betroffenen Unternehmen“, erklärt Ludovic Subran, Chefökonom bei der Allianz. „Nicht jede Regulierung ist von Natur aus ‚schlecht‘. In den meisten Fällen ist es die Umsetzung, die das Unternehmensleben erschwert. Nicht nur die Anzahl der Regeln, sondern auch eine effiziente Verwaltung sollte im Mittelpunkt stehen. Eine gründliche Digitalisierung der Behörden ist dringend erforderlich. Allerdings werden wir wohl auch im Jahr 2025 noch vergeblich auf eine entsprechende digitale Strategie warten. Stattdessen drohen Handelskriege. Die Aussichten sind nicht rosig“, so Subran weiter.

Allianz Commercial ist das Kompetenzzentrum und die globale Sparte der Allianz Gruppe für die Versicherung von mittelständischen Unternehmen, Großunternehmen und Spezialrisiken. Zu unseren Kunden zählen die weltweit größten Verbrauchermarken, Finanzinstitute und Industrieunternehmen, die globale Luft- und Schifffahrtsindustrie sowie Familienbetriebe und mittelständische Unternehmen, die das Rückgrat der Wirtschaft bilden. Wir decken auch einzigartige Risiken wie Offshore-Windparks, Infrastrukturprojekte oder Filmproduktionen ab.

Angetrieben durch die Mitarbeiter, die Finanzkraft und das Netzwerk der von Interbrand als weltweit führende Versicherungsmarke eingestuften Allianz, arbeiten wir gemeinsam daran, unsere Kunden auf die Zukunft vorzubereiten: Sie vertrauen darauf, dass wir eine breite Palette an traditionellen und alternativen Risikotransferlösungen, hervorragende Risikoberatung und multinationale Dienstleistungen sowie eine reibungslose Schadenabwicklung bieten.

Unter dem Markennamen Allianz Commercial sind das Großkundenversicherungsgeschäft der Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS) und das Gewerbeversicherungsgeschäft der nationalen Allianz Property & Casualty-Einheiten für mittelständische Unternehmen zusammengefasst. Wir sind in über 200 Ländern und Territorien entweder mit eigenen Teams oder über das Netzwerk der Allianz Gruppe und Partner vertreten. Im Jahr 2025 erwirtschaftet das integrierte Geschäft der Allianz Commercial weltweit rund 17,3 Milliarden Euro an Bruttoprämien.

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