Neues zur Hurrikansaison: Die Ruhe vor dem Sturm? 

Expert risk article | September 2022
Obwohl die Meteorologen für 2022 eine überdurchschnittliche Hurrikan-Saison im Atlantik vorhersagen, war die Aktivität im August so gering wie seit 25 Jahren nicht mehr. Im September erreichten bisher zwei Stürme Hurrikanstärke. Experten von Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS) und Allianz Re geben jedoch noch keine Entwarnung, da erst die Hälfte der Saison hinter uns liegt. Zudem sind die stärkeren Stürme in der Vergangenheit typischerweise erst ab September aufgetreten.

Der 10. September markierte den klimatologischen Höhepunkt der atlantischen Hurrikansaison in einem Jahr, für das allgemein erwartet wurde, dass es das siebte Jahr in Folge mit überdurchschnittlicher Hurrikan-Aktivität sein würde.

Stattdessen beendeten der Hurrikan Danielle am 2. September und der Hurrikan Earl am 6. September eine der längsten Phasen ohne Hurrikan im Nordatlantik in der jüngeren Geschichte. Bis zum 10. September gab es fünf benannte Stürme im Atlantik, von denen nur die zwei im September zu Hurrikanen wurden. Zum ersten Mal seit 25 Jahren gab es im August keine benannten Stürme mehr, im Gegensatz zu den 10 ­die in diesem Monat im Jahr 2021 auftraten.

Ausschlaggebend für die ursprünglichen Hochaktivitätsprognosen waren das dreijährige La-Niña-Wettermuster, das die Windscherung – eine abrupte Änderung der Windrichtung oder -geschwindigkeit – über dem tropischen Nordatlantik minimiert und die Hurrikanaktivität erhöht, sowie mit überdurchschnittlichen Meeresoberflächentemperaturen (sea surface temperatures/SST) einhergeht.

„Beide Prognosen waren richtig“, sagt Bastian Manz, Senior Climate Risk Analyst bei Allianz Re. "Allerdings haben andere, nuanciertere und volatilere (und daher schwieriger vorherzusagende) Faktoren die Aktivität im Nordatlantik bisher dominiert. Hohe SST-Werte führen normalerweise zu Verdunstung, und die daraus resultierende Feuchtigkeit treibt die Entwicklung tropischer Wirbelstürme an. Da jedoch über weite Strecken des Sommers heißer und trockener Saharastaub in die Hauptentwicklungsregion (main development region/MDR) wehte, war es einfach zu trocken.

„Obwohl die SST in der MDR und der Karibik derzeit über dem Durchschnitt liegt, zeigen die SST im gesamten Nordatlantik einige komplexe Muster. Insbesondere das extrem warme Wasser entlang der Küste von New York bis Neufundland hat den Jetstream beeinflusst und indirekt den Zustrom trockener Luft in die MDR unterstützt.“

"Es solle uns nicht überraschen, dass die Aktivität endlich wieder zunehmen," sagt Mabé Villar-Vega, Catastrophe Risk Research Analyst von Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS). „Historisch gesehen gab es jeweils im September mehr Hurrikane der Kategorie 5 als in jedem anderen Monat. In der Vergangenheit gab es Beispiele für intensive Hurrikane, die nach einem schleppenden Saisonstart auftraten, sowie einige besonders intensive Hurrikane, die nach dem offiziellen Höhepunkt am 10. September auftraten, darunter Superstorm Sandy Ende Oktober 2012 und Hurrikan Michael, der Mitte Oktober 2018 als schwerer Hurrikan der Kategorie 5 im Florida Panhandle an Land ging."

Manz fügt hinzu, dass der Supersturm Sandy im Jahr 2012 zwar kurz vor der Landung in New Jersey zu einem posttropischen Sturm herabgestuft wurde, seine Rekordgröße jedoch zu den beträchtlichen Schäden beitrug, die er verursachte. „Sandy konnte seine Größe und Stärke aufgrund der hohen SST-Werte an der US-Ostküste beibehalten, was der aktuellen Situation nicht unähnlich ist“, sagt Manz. "Im Jahr 2020, trafen die großen Hurrikane Eta und Iota im November, also kurz vor dem offiziellen Ende der Saison jeweils am 30. November, in Mittelamerika auf Land."

Da die Hurrikansaison im Nordatlantik in der Regel um Mitte Oktober einen zweiten Höhepunkt erreicht, müssen Unternehmen auch in der bisher relativ milden Hurrikansaison wachsam und vorbereitet bleiben, um ihre Gebäude und Mitarbeiter zu schützen, raten die Experten. 

Quelle: NOAA 
  • Ein einziger Sturm kann lokal katastrophale Schäden verursachen, und das National Hurricane Center in den USA rät, sich bei der Vorbereitung nicht auf saisonale Vorhersagen zu stützen. Wenn für ihr Gebiet eine Hurrikanwarnung ausgegeben wird, ist es wichtig die jeweilige Zoneneinordnung zu kennen (gefährdete Gebiete erhalten eine Evakuierungswarnung oder -anordnung). Auch muss man sich im Klaren darüber sein, dass die von den Behörden angeordnete Evakuierung auf der Möglichkeit von Sturmfluten und Überschwemmungen beruht und nicht auf dem bevorstehenden Landfall eines Sturms.
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  • Obwohl Hurrikane stark mit den USA in Verbindung gebracht werden, müssen Unternehmen auch in anderen Teilen der Welt auf Taifune, Sturm- und Überschwemmungsschäden gefasst sein, wie zum Beispiel dem im September in Japan wütenden Taifun „Nanmadol“.
  • Um die Verluste im Falle eines extremen Wetterereignisses zu minimieren, sollten Unternehmen einen schriftlichen Notfallplan erstellen, der Maßnahmen vor, während und nach einem Sturm vorsieht. Der Plan sollte Bereiche wie Schulung, Notvorräte, Geschäftskontinuität, Gebäudeinspektionen, Verankerung oder Verlagerung von Ausrüstung und Lagerbeständen, Schutz von Fenstern, Hochwasserschutz, Bergung und Wiederherstellung sowie Schadensbewertung abdecken.
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  • Allianz Risk Consulting veröffentlicht außerdem eine Reihe von Risikobulletins und Checklisten, die Mitarbeiter und Sachwerte zu schützen, darunter: 

[1] National Oceanic and Atmospheric Administration, National Hurricane Preparedness, 10. Mai, 2022

Bild: Adobe Stock

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